Das Dritte-Kind-Syndrom: Danke, du Arsch!

Die Lieblingssätze der Zweijährigen zeichnen sich aktuell vor allem dadurch aus, dass sie mindestens ein Schimpfwort enthalten. „Danke, du Arsch!“, ist ganz vorne mit dabei, gefolgt von „Ja, du alte Fleischwurst!“. Das ist natürlich schon sehr witzig und offenbart etwas, das ich jetzt mal das Dritte-Kind-Syndrom nenne.

Anzeichen sind Bedarfstaubheit bei etwaiger inadäquater Wortwahl im Kindersprech, temporäre Lähmungserscheinungen, etwa wenn die Zweijährige das Müsli auf Tisch und Boden schüttet (und ich weiß, dass ich es erst zu ihr schaffe, wenn ohnehin die gesamte Packung ausgeschüttet ist) und überhaupt eine gewisse Gleichgültigkeit für vermeintliche Erziehungsfehler.

Tatsächlich hat sich bei uns mit Kind 3 noch mal einiges gedreht. Zum einen trägt ihr Temperament schon viel dazu bei, dass es hier manchmal drunter und drüber geht. Zum anderen — und vermutlich das ist der wohl entscheidendere Faktor — hat sich unsere Einstellung zu vielen Dingen geändert.

Die meisten Kämpfe fechte ich einfach nicht mehr aus. Oftmals fehlt mir schlicht die Kraft und ich weiß vorher schon, dass diese Nummer nicht gut für mich ausgehen würde (was folgt noch mal auf 3, wenn ich sage ich zähle bis…ach, lassen wir das). Aber wenn wir ehrlich sind, können wir auch auf viele dieser kleinen Alltagskämpfe verzichten. Um wieder die aktive Rolle zu übernehmen, habe ich mich jedenfalls in vielen Situationen AKTIV dazu ENTSCHIEDEN, nichts mehr zu tun.

Dass die Zweijährige gerade zum Beispiel keine Schuhe tragen will, finde ich in den allermeisten Fällen gar nicht schlimm. Läuft sie halt barfuß durch den Wald. Dass sie auch sonst gerne wenig Kleidung trägt, finde ich auch nicht tragisch. Im März ist sie ohne Hose am Nordseestrand entlang gelaufen, und war eines der wenigen Kinder, die während der Mutter-Kind-Kur überhaupt nicht krank geworden sind.

Manchmal behelfe ich mir auch, zum Beispiel ziehe ich die Kleidung für den nächsten Tag schon am Abend an. Dadurch habe ich weniger Wäsche, weil keine Schlafanzüge, und weniger Stress, weil keinen Anziehkampf am Morgen.

Dann gibt es natürlich auch Situationen, in denen es keine Kompromisse gibt und ich konsequent bleibe. Im Straßenverkehr zum Beispiel muss ein „Stopp!“ ein Stopp sein. Und wenn die Zweijährige im Auto stehend auf der Rückbank mitfahren will, fährt das Auto eben nicht weiter. Das ist nervig, klar. Und langweilig — für uns beide.

Und wie ist das jetzt mit dem „Danke, du Arsch!“? Nun, die größte Herausforderung in diesen Situationen ist, nicht zu lachen. Ganz ehrlich: Ich finde das nicht so furchtbar schlimm. Meine Erfahrung lehrt mich, dass Sätze wie „das ist ein blödes Wort!“ oder „das will ich nicht hören!“ bei Kindern von zweieinhalb Jahren die Freude am Sagen nur verstärken. Also sende ich nach außen größtmögliche Ignoranz und bewahre mir das Lachen dann für später auf. 

Natürlich raubt mir diese Zweieinhalbjährige manchmal den letzten Nerv, aber das ist eben auch das Schöne am dritten Kind: Du weißt, auch diese Phase geht irgendwann vorbei (und eine andere kommt, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte).

Eine Antwort auf „Das Dritte-Kind-Syndrom: Danke, du Arsch!“

  1. GROßARTIG! Danke, genau so geht es uns auch mit Kind Nr. 3, vor allem die Kämpfe, die man nicht mehr ausficht, ich kann alles so unterschreiben. Und, wenn ich noch hinzufügen darf: Oft wünsche ich mir, ich hätte das kämpfen schon bei Kind 1 und 2 aufgegeben, oft ging es nämlich ums kämpfen weil eine kleine fiese Stimme in mir meinte das muss so – obwohl das gar nicht so muss (und damit ist nicht gemeint, die Kinder alles machen zu lassen, sondern sich darauf zu fokussieren, welche Dinge wirklich zählen im Familienleben). DANKE!

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