An euch, ihr jungen Mamas

Als ich damals eine erste Tochter zur Welt gebracht habe, hatte kaum jemand in meinem Umfeld Kinder. Dass ich so jung Mutter wurde, hatte viele gute Seiten, aber manchmal haben sie mir gefehlt, die anderen Mütter. Ich hätte mir jemanden gewünscht, eine Sparringspartnerin im Mama-Ring, an der und mit der ich hätte wachsen können. Ich habe mir ein paar Gedanken darüber gemacht, was mir damals geholfen hätte, was mir meine Mama-Partnerin hätte sagen können. Und weil ich nun so ungern Selbstgespräche führe, schreibe ich an euch, ihr jungen Mütter, was ich gerne schon vor neun Jahren gewusst hätte.

Liebe junge Mama,
vor gar nicht all zu langer Zeit hast du ein Kind zur Welt gebracht. Vielleicht ist es nur wenige Tage her, vielleicht ein paar Wochen, Monate oder wenige Jahre. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich finde die Anfangszeit mit Baby wahnsinnig spannend — und ziemlich aufwühlend. Gerade deshalb möchte ich dir gerne etwas sagen:

Genieße das Wochenbett. Im Ernst: Leg dich hin, ruh dich aus. Lass dich bedienen! Das geht beim ersten Kind und das geht auch, wenn du schon mehrere Kinder hast. Auch für die wirst du noch ganz oft ganz viel da sein. Jetzt kümmerst du dich um dich. Du hast gerade ein Kind zur Welt gebracht, was krasseres gibt es ja wohl nicht?!

Denk daran: Du bist genau die richtige Mutter für dein Kind! Informiere dich, tausche dich mit anderen Eltern aus. Und schau dann, was sich für dich gut und richtig anfühlt.

Du musst jetzt noch nicht alle Antworten haben. Du wächst gemeinsam mit deinem Kind und mit jedem Jahr wächst auch dein Erfahrungsschatz. Du musst jetzt noch nicht wissen, wie du pubertäre Gefühlsausbrüche händelst. Gerade will sich dein Baby einfach geborgen fühlen — und dafür reicht meist Wärme, Nahrung und Körperkontakt.

Gesteh dir zu fehlbar zu sein. Du wirst nicht alles perfekt hinkriegen, aber vertraue in dich und in die Widerstandsfähigkeit deines Kindes. Wir wären als Menschheit nicht so weit gekommen, blieben bei jedem kleinen Nervenzusammenbruch einer Mutter traumatisierte Kinder zurück.

Aber gib auch Acht auf dich. Sich hin und wieder zu reflektieren heißt nicht, sich selbst stets infrage zustellen. Aber die Reflektion kann helfen, nachzujustieren um irgendwann bestimmte (destruktive) Muster zu verlassen.

Du willst nicht so `ne Mutti sein, sondern eine echt coole Mama? Entspann dich und mach dir nicht so viele Gedanken um deine Wirkung. Du musst niemandem beweisen, wie stark, cool oder locker du bist. Trau dich, einfach bei dir zu sein.

Lass dich berühren von diesem Kind und schau, was das Muttersein mit dir macht. Freu dich auf dein neues Ich, denn du bist vermutlich nicht mehr die gleiche Person, die du vorher warst. Manches wird dir bekannt vorkommen, einiges ist neu. Lass dich darauf ein und habe keine Angst. Mag sein, dass sich nun, wo du Mutter bist, manche Türen schließen — aber so viele neue werden sich öffnen!

Mach dir nicht so viele Sorgen! Ja, die Welt wirkt plötzlich so viel gefährlicher. Aber das ist sie nicht. Wir haben keine Garantie auf Gesundheit und Unversehrtheit, aber hier in unseren Breitengraden haben unsere Kinder eine große Chance ziemlich alt zu werden.

Hör auf deine Bedürfnisse. Du musst nicht nach einer bestimmten Zeit wieder hübsch aussehen, Sport machen, arbeiten gehen, Sex haben (wollen), einen ordentlichen Haushalt führen, ausgehen und zu jeder Zeit überglücklich sein. 

Aber versuche die Zeit zu genießen. Du wirst noch viele, viele Jahre arbeiten gehen. Früher als es sich jetzt gerade danach anfühlt kannst du beruflich wieder angreifen. Und dann wirst du dich in vielen Momenten nach genau dieser Babyzeit sehnen.

Und vertraue darauf, dass vieles wiederkommt. Der Schlaf zum Beispiel. Irgendwann werden die Kinder tatsächlich durchschlafen. Und irgendwann wirst du nicht mehr stillen. Irgendwann kannst du wieder ausgehen, etwas trinken, feiern. Wenn du willst, kommt irgendwann die Leichtigkeit zurück.