Macht das Mutter-Sein einen anderen Menschen aus uns?

Eigentlich ist der Muttertag bei uns zuhause keine große Sache — vielleicht, weil meine Mutter schon immer diesen Tag irgendwie doof fand. Nun nutze ich aber diesen verregneten Muttertagssonntag, um noch einmal in meinem Archiv zu wühlen. Tatsächlich gibt es nämlich einen Artikel, an dem meine Mutter und ich gemeinsam gearbeitet haben. Und der ja doch zu diesem Tag heute passt und noch immer aktuell ist.

Macht das Mutter-Sein eigentlich einen anderen Menschen aus mir? Wie sehr verändern wir uns, wenn wir Eltern werden? Das habe ich mich vor einiger Zeit in einer Titelgeschichte für die ELTERN gefragt und das dazu geschrieben:

„Oh, was habe ich mich nach der Geburt meiner ersten Tochter bemüht, mich nicht zu verändern. Ich wollte unbedingt die alte Leonie bleiben, habe mein Baby auf WG-Partys und in den Hörsaal mitgeschleppt. 23 Jahre alt war ich da. 

Irgendwann hatte ich das Gefühl, durch die Angst vor der Veränderung etwas viel Wichtigeres zu verpassen: Die Chance auf so viel Neues, neue Gedanken, neue Gefühle, so viele neue Perspektiven und Träume, die das Mutter-Sein neben den durchwachten Nächten und nicht erlebten Partys mit sich bringt. Natürlich wollte ich nicht alles hinter mir lassen, meine Freundschaften aufkündigen und von vorne anfangen. Aber meine Tochter hatte nun mal mein Leben auf den Kopf gestellt – dann wollte ich doch bitte auch das Beste daraus machen!

Ich denke nicht, dass die Mutterschaft einen ganz anderen Menschen aus mir gemacht hat. Vielleicht bin ich kritischer geworden und gleichzeitig gelassener. Bestimmt hat sich etwas verschoben. Prioritäten zum Beispiel: Ich arbeite sehr gern, mache aber längst nicht mehr jeden Quatsch mit. Ich gehe immer noch gerne aus, muss aber nicht mehr die Letzte auf der Party sein. Auch Beziehungen haben sich verändert: Einige Freundschaften sind auf halbem Wege zwischen Uni, Job und Kinderkriegen verloren gegangen – andere haben dafür an Fahrt aufgenommen. Vielleicht wäre das aber auch ohne Kinder passiert…“

Antwort von Mama

Für diesen Artikel habe ich aber eben nicht nur Selbstgespräche geführt, ich habe auch andere gefragt, ob das Mutter-Sein mich verändert hat. Neben anderen Familienmitgliedern und Freunden hat mir auch meine Mama geantwortet:

„Ich denke schon, dass dich dein Mutter-Sein sehr geformt hat. Und ich glaube, dass deine Kinder dir dabei sehr behilflich sind, dich im positivsten Sinne des Wortes zu beschränken. Du bist ein Mensch mit viel Kraft, mit vielen Talenten, mit viel Neugier und Lebenslust, was ich früher manches Mal mit Besorgnis zur Kenntnis genommen habe, weil ich fürchtete, du würdest dich unterwegs im grenzenlos-Sein verlieren. Heute erlebe ich, dass deine Mädchen dich durch ihre bedingungslose Liebe klarer, deutlicher und konturierter machen. Und so, wie man sagt, dass man Kindern Flügel geben soll, glaube ich, dass Kindern den Eltern Wurzeln geben – bei dir war und ist das sicher so. Und vielleicht hat das auch mit diesen Wurzeln zu tun, dass wir beide uns heute auch als Mütter gegenseitig mit Respekt und Wertschätzung begegnen.“

Neulich habe ich in einem Interview mit einer Psychologie-Professorin gelesen, dass sich die Persönlichkeit ein Leben lang noch ändern kann. Also, liebe Mama, vielleicht findest du diesen Tag heute ja inzwischen gar nicht mehr so doof. In diesem Sinne: Alles Gute zum Muttertag!